FORSCHUNG
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Erwachsene mit ADHS schieben deutlich häufiger auf als andere, besonders beim unaufmerksamen Erscheinungsbild. Die Forschung besteht fast ausschließlich aus Querschnitten. Ein erstes Review (2026) fasst 11 Studien zusammen, eine Metaanalyse fehlt. Ein strukturiertes klinisches Programm half in einer Studie beim Handeln.
▲ NEU IN 2025-2026
1. Unaufmerksamkeit hängt stärker mit Aufschieben zusammen als Hyperaktivität oder Impulsivität, mit Korrelationen meist zwischen r = .42 und .51 (Suriano 2026, systematisches Review, 11 Querschnitte, N = 2.788).
2. Studierende mit selbstberichteter ADHS-Diagnose prokrastinieren mit d = 1,32 stärker als Studierende ohne Diagnose (Andreassen et al. 2026, Querschnitt, N = 281).
3. Bei Erwachsenen mit mehr ADHS-Symptomen tragen ein niedrig erlebter Aufgabenwert, Verzögerungssensitivität und eine geringere Fähigkeit, Ziele flexibel anzupassen, zum Aufschieben bei. Emotionsregulations-Strategien tragen in derselben Studie nichts bei (Netzer Turgeman & Pollak 2026, präregistrierter Querschnitt, N = 640).
4. Vermeidende Automatikgedanken begleiten das Aufschieben bei höheren ADHS-Symptomen enger. Eine zeitliche Abfolge „erst Gedanke, dann Aufschub" ist unbelegt (Knouse et al. 2025, Alltagsmessung, N = 106, 2.439 Messpunkte).
5. Ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Gruppenprogramm für Erwachsene mit ADHS verbesserte die Verhaltensaktivierung mit d = 0,49, das Aufschieben selbst aber gleich stark wie ein Vergleichsprogramm (Strålin et al. 2025, RCT, N = 108, 72 % medikamentös behandelt).
Quelle: NeuroPartner Literatur-Review Prokrastination, Stand August 2026, https://www.neuropartner.de/forschung/prokrastination. 17 Studien, Suchprotokoll in der Methodikbox.
Diese Seite ordnet die Studienlage zu Aufschieben bei ADHS ein, mit allen Befunden und Grenzen. Was keine Studie zeigt: warum du um 23 Uhr noch wach bist und die Aufgabe trotzdem nicht angefasst hast.
Was beim Aufschieben in deinem Kopf passiert
Die Werkzeuge, die an genau diesem Mechanismus ansetzen
Die Tabellen sind zum Nachprüfen da. Du kannst sie überspringen, die Antworten stehen jeweils im Text darüber.
Querschnitt heißt: Alle Daten wurden zu einem Zeitpunkt erhoben. Das zeigt Zusammenhänge, aber keine Ursachen. N ist die Zahl der Teilnehmenden. r sagt, wie eng zwei Dinge zusammenhängen (0 = gar nicht, 1 = perfekt). d sagt, wie groß der Unterschied zwischen zwei Gruppen ist. Ab etwa d = 0,8 gilt ein Unterschied als groß.
Deutlich stärker als Erwachsene ohne ADHS. Studierende mit selbstberichteter ADHS-Diagnose prokrastinieren mit d = 1,32 stärker als Studierende ohne Diagnose (Andreassen et al., 2026). Über 11 Studien hinweg liegt der Zusammenhang zwischen ADHS-Symptomen und Aufschieben meist zwischen r = .42 und .51 (Suriano, 2026).
Alle 11 Studien des ersten systematischen Reviews finden einen positiven Zusammenhang zwischen ADHS-Symptomen und Aufschieben. Am engsten hängt Aufschieben mit Unaufmerksamkeit zusammen (Suriano, 2026, N = 2.788).
| Studie | Design · N | Population | Befund | Grenze |
|---|---|---|---|---|
| Suriano 2026 | Systematisches Review · 11 Studien, N = 2.788 | Erwachsene, ADHS-Diagnose oder Symptomskala | r = .42–.51 — Aufschieben hängt bei ADHS spürbar mit Unaufmerksamkeit zusammen | nur Querschnitte, keine Metaanalyse |
| Andreassen et al. 2026 | Querschnitt · N = 281 | Studierende, Norwegen, ~80% Frauen, 18–25 J. | d = 1,32 — Studierende mit ADHS schieben deutlich stärker auf | Rekrutierung über ADHS-Verband |
| Netzer Turgeman & Pollak 2023 | Querschnitt · N = 202 | Erwachsene, Symptomskala | Replikation: Unaufmerksamkeit hängt nach Kontrolle weiter mit Aufschieben zusammen | Querschnitt, Selbstbericht |
| Uygur & Bahar 2023 | Querschnitt · N = 553 | Türkei, Studierende, ASRS-Screening | ADHS-Gruppe zeigt deutlich höhere Bedtime-Procrastination-Werte | misst nur Aufschieben der Schlafenszeit |
| Oguchi et al. 2021 | Querschnitt · N = 490 | Japan, ASRS-Screening, M 26,6 J. | d = 0,83 — stärkere ADHS-Symptome, deutlich häufigeres Aufschieben | Screening statt Diagnose |
Nein. Es gibt einen adaptiven und einen maladaptiven Typ, und sie hängen unterschiedlich mit ADHS-Subtypen zusammen. Studierende mit kombiniertem ADHS-Typ zeigen das meiste maladaptive Aufschieben und die stärkste Erschöpfung. Studierende mit vorwiegend hyperaktiv-impulsivem Profil oder wenigen Symptomen zeigen dagegen das meiste adaptive Aufschieben (Müller & Pikó, 2026, N = 1.879).
Aufschieben ist bei ADHS nicht einheitlich. Der kombinierte ADHS-Typ zeigt die höchste maladaptive Prokrastination und Erschöpfung, während andere Subtypen Aufschieben eher strategisch nutzen (Müller & Pikó, 2026).
| Studie | Design · N | Population | Befund | Grenze |
|---|---|---|---|---|
| Müller & Pikó 2026 | Querschnitt, k-means-Clusteranalyse · N = 1.879 | Studierende, Ungarn, 70% Frauen, 18–35 J. | kombinierter Typ: höchste maladaptive Prokrastination und Erschöpfung; andere Typen: höchste adaptive Prokrastination | Querschnitt, Diagnose überwiegend nicht klinisch verifiziert |
Weil Aufgaben sich wertlos anfühlen, Warten auf die Belohnung schwerfällt und die Fähigkeit fehlt, Ziele flexibel anzupassen. Unaufmerksamkeit hängt dabei eng mit dem Aufschieben zusammen (r = .79), Hyperaktivität/Impulsivität deutlich schwächer (r = .50). Bei Erwachsenen mit mehr ADHS-Symptomen tragen ein niedrig erlebter Aufgabenwert, Verzögerungssensitivität und geringere flexible Zielanpassung zum Aufschieben bei. Erfolgserwartung, Zielbeharrlichkeit und Emotionsregulations-Strategien tragen nichts bei (Netzer Turgeman & Pollak, 2026, N = 640).
Drei Faktoren tragen den Zusammenhang zwischen Unaufmerksamkeit und Aufschieben: ein niedrig erlebter Aufgabenwert, Verzögerungssensitivität und eine geringere Fähigkeit, Ziele flexibel anzupassen (Netzer Turgeman & Pollak, 2026).
| Studie | Design · N | Population | Befund | Grenze |
|---|---|---|---|---|
| Netzer Turgeman & Pollak 2026 | Präreg. Querschnitt, SEM · N = 640 | 18–56 J. (M 36), 61% Männer | r = .79 — Unaufmerksamkeit und Aufschieben hängen eng zusammen; drei Faktoren tragen den Zusammenhang: Aufgabenwert, Verzögerungssensitivität, geringere flexible Zielanpassung | Querschnitt, Selbstbericht (Prolific) |
| Knouse et al. 2025 | Alltagsmessung (EMA) · N = 106 | 18–75 J., 74% Frauen | 45% aller Momente — Vermeidungsgedanken hängen enger mit Aufschieben, je mehr Symptome | keine zeitliche Vorhersage bewiesen |
| Müller, Mellor & Piko 2023 | Querschnitt · N = 408 | Ungarn, Studierende, 67% Frauen | passive Prokrastination (β=0,31) und aktive (β=−0,12) hängen gegensätzlich mit ADHS-Symptomen zusammen | Querschnitt, Screening statt Diagnose |
Ja, messbar und in beide Richtungen. Der momentane Selbstwert sinkt beim Aufschieben, bei Erwachsenen mit und ohne ADHS gleichermaßen (Turner & Harty, 2025, N = 125). Erwachsene mit ADHS, die stärker aufschieben, berichten ein geringeres Kohärenzgefühl (r = −.58) und geringere Selbstwirksamkeit (r = −.47) (Malinowska & Rodzeń, 2026, N = 180). Aufschieben vermittelt zudem vollständig den Zusammenhang zwischen ADHS-Symptomen und geringerer Lebensqualität (Netzer Turgeman & Pollak, 2025, N = 132).
| Studie | Design · N | Population | Befund | Grenze |
|---|---|---|---|---|
| Turner & Harty 2025 | Alltagsmessung, 7 Tage · N = 125 | Neuseeland | kein Gruppenunterschied — Selbstwert sinkt bei jedem Aufschieben, mit und ohne ADHS | ADHS über Kriterien erfasst |
| Malinowska & Rodzeń 2026 | Querschnitt · N = 180 | Polen, 87% Frauen, 63% mediziert | r = −.58 / −.47 — mehr Aufschieben, schwächeres Kohärenzgefühl und weniger Selbstwirksamkeit | Diagnose unverifiziert |
| Netzer Turgeman & Pollak 2025 | Querschnitt · N = 132 | MTurk, 24–60 J., nur 5,3% mit Diagnose | vollständige Vermittlung — Aufschieben erklärt gesamten Zusammenhang ADHS–Lebensqualität | keine klinische Stichprobe |
Nein, nicht stärker als ohnehin schon vorhanden. Aufschieben hängt bei allen Erwachsenen ähnlich mit Depression und Angst zusammen, unabhängig von der ADHS-Symptomstärke (Oguchi et al., 2021, N = 490). Eine neuere Studie liefert einen möglichen Mechanismus: Wenn maladaptives Tagträumen und Hyperfokus mit ins Modell kommen, verliert Aufschieben seinen direkten Zusammenhang mit Angst und Stress (Nowacki, 2025/2026, N = 512).
| Studie | Design · N | Population | Befund | Grenze |
|---|---|---|---|---|
| Oguchi et al. 2021 | Querschnitt · N = 490 | Japan, ASRS-Screening, M 26,6 J. | keine Moderation — ADHS-Symptomstärke verändert den Zusammenhang Aufschieben–Depression/Angst nicht | Screening statt Diagnose, Querschnitt |
| Nowacki 2025/2026 | Querschnitt · N = 512 | Erwachsene, formal oder selbstberichtet | direkter Zusammenhang zu Angst/Stress verschwindet, wenn maladaptives Tagträumen und Hyperfokus mit ins Modell kommen | Querschnitt, Mediationsmodell nicht präregistriert |
Wenige, mit gemischtem Ergebnis für das Aufschieben selbst. Ein Gruppenprogramm mit Organisation, Verhaltensaktivierung und Achtsamkeit verbesserte bei Erwachsenen mit klinischer ADHS-Diagnose die Verhaltensaktivierung mit d = 0,49, beim Aufschieben gab es keinen Unterschied zum Vergleichsprogramm (Strålin et al., 2025, N = 108).
Der einzige RCT im Zeitfenster zeigt: Strukturierte Gruppenprogramme verbessern das Ins-Handeln-Kommen. Für das Aufschieben selbst waren beide geprüften Programme gleich wirksam (Strålin et al., 2025).
| Studie | Design · N | Population | Befund | Grenze |
|---|---|---|---|---|
| Strålin et al. 2025 | Multicenter-RCT (2:1), 14 Sitzungen · N = 108 | klinische Diagnose, M 36 J., 72% mediziert | d = 0,49 — Programm verbesserte Ins-Handeln-Kommen, senkte Aufschieben aber nicht stärker als Vergleich | unterpowert (COVID) |
| Oguchi, Furukawa & Kumano 2025 | Einzelfall-AB-Design, ARIMA · N = 24 | Studierende, Japan, M 20,4 J., ASRS-Screening | gemischt — Aufschieben sank auf Timeliness-Skala, nicht auf allgemeiner Skala; Lebenszufriedenheit stieg leicht (d = 0,38); Stimmung verschlechterte sich gegenüber Baseline | keine Kontrollgruppe, gegenläufiger Stimmungsbefund |
Bislang liefert nur eine Spur-A-Studie einen direkten Test: Emotionsregulations-Strategien (Neubewertung, Unterdrückung; ERQ) erklären den Zusammenhang zwischen Unaufmerksamkeit und Aufschieben nicht (Netzer Turgeman & Pollak, 2026, N = 640).
Eine Arbeitsgruppe: die Prokrastinationsambulanz Münster (Rist, Engberding, Höcker). Sie hat die älteste deutsche Arbeit zu Aufschieben und ADHS veröffentlicht (2011, siehe Fundament-Box) und 2023 Diagnosekriterien für pathologisches Aufschieben an N = 990 Studierenden entwickelt (Rist et al., 2023) — allerdings ohne ADHS-Stichprobe.
Drei ältere Arbeiten liefern das Fundament, auf dem die neuere Forschung aufbaut. Niermann und Scheres (2014) zeigten als Erste einen Zusammenhang zwischen ADHS-Symptomen und Aufschieben bei Studierenden. Rist und Kolleg:innen (2011) lieferten mit einer großen Münsteraner Stichprobe die Zahlen, auf die sich viele der heute kursierenden Prozentangaben zurückführen lassen. Ein Cochrane-Review (Lopez et al., 2018) zeigt zudem, dass kognitive Verhaltenstherapie bei Erwachsenen mit ADHS grundsätzlich wirkt — allerdings ohne Aufschieben je als eigenes Zielmaß zu erfassen.
| Studie | Design · N | Population | Befund | Grenze |
|---|---|---|---|---|
| Lopez et al. 2018 (Grundlage) | Cochrane-Review · 14 RCTs, N = 700 | Erwachsene mit ADHS, 18–65 J. | KVT wirksamer als Warteliste bei ADHS-Kernsymptomen (großer Effekt) und als Ergänzung zur Medikation wirksamer als Medikation allein; auch Besserung bei Depression und Angst. Aufschieben kein eigenes Zielmaß. | Sehr niedrige bis niedrige Evidenzqualität, überwiegend nördliche Hemisphäre, nur kurzfristige Daten, keine Aufschiebe-spezifische Auswertung. |
| Niermann & Scheres 2014 (Grundlage) | Querschnitt · N = 54 | Studierende, Nijmegen | r = .51, aber kein Zusammenhang im Labor-Test — erster Befund zum Thema, mit wichtigem Nullbefund | kleine Stichprobe |
| Rist et al. 2011 (Grundlage, deutsch) | Querschnitt · N ≈ 1.000 | Studierende, Münster | rund 4% mit ADHS-Verdacht — davon rund die Hälfte mit hohen Aufschiebewerten. Herkunft der oft zitierten „50%“ | Primärquelle nicht eingesehen, kleine Zelle |
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Methodik
Diese Übersicht folgt dem NeuroPartner Literatur-Review-Verfahren nach dem Zwei-Spur-Evidenzmodell: Spur A führt ausschließlich ADHS-spezifische Studien und steht auf dieser Seite. Spur B führt die breitere Verhaltensänderungs-Evidenz mit Populations-Kennzeichnung und steht auf /strategien/. Das Verfahren ist ein strukturierter Literatur-Review (PRISMA-light), kein systematisches Review im Sinne der PRISMA-2020-Vollkriterien.
Suchzeitraum: Publikationen 2020 bis 2026 (rollierendes 6-Jahres-Fenster) plus Fundament-Box für ältere Schlüsselarbeiten.
Einschlusskriterium: Stichprobe mit ADHS-Diagnose oder validierter ADHS-Symptomskala. Aufschieben als gemessenes Merkmal.
Suche: PubMed (5+8 Suchabfragen, 20.08.2026), Vorwärtszitation ab Niermann & Scheres 2014, Abgleich mit der Einschlussliste von Suriano 2026.
Ausschlüsse: Studien ohne ADHS-Erhebung, Arbeiten mit ausstehendem Erratum, Kinderstudien.
Studienlage: Bis Juli 2026 gab es zu Prokrastination bei ADHS ausschließlich Einzelstudien. Das erste systematische Review (Suriano 2026, Literatursuche bis März 2026) fasst 11 Studien mit 2.788 Teilnehmenden zusammen, alle Querschnitte, ohne Metaanalyse. Die Korrelationen liegen meist zwischen r = .42 und .51. Am stärksten hängt Aufschieben mit Unaufmerksamkeit zusammen. Das Review hat enge Einschlusskriterien. Diese Seite berücksichtigt zusätzlich Studien, in denen Aufschieben als Mediator oder Vergleichsmaß erfasst wurde, sowie Arbeiten, die nach März 2026 erschienen sind.
Populations-Einordnung
Jede Forschungsseite weist für alle tragenden Studien aus, wie ADHS erfasst wurde, wie alt die Teilnehmenden waren, ob Medikation berichtet ist und wie sich die Stichprobe zusammensetzt. So ist prüfbar, für wen ein Befund tatsächlich gilt.
| Studie | ADHS-Erfassung | Alter | Medikation berichtet? | Frauenanteil |
|---|---|---|---|---|
| Suriano 2026 (SR) | gemischt | Erwachsene | überwiegend k. A. | k. A. |
| Andreassen 2026 | Diagnose selbstberichtet | 18–25 | nein | ~80 % |
| Netzer Turgeman & Pollak 2026 | Symptomskala (10,6 % Diagnose) | 18–56 | nein | 39 % |
| Netzer Turgeman & Pollak 2023 | Symptomskala | Erwachsene | k. A. | k. A. |
| Netzer Turgeman & Pollak 2025 | dimensional, nur 5,3 % mit Diagnose | 24–60 (M 39,9) | 3 von 7 Diagnostizierten mediziert | 44 % |
| Knouse 2025 | Symptomskala (11 Diagnosen) | 18–75 | 7 von 106 | 74 % |
| Strålin 2025 | klinische Diagnose | M 36 | ja, 72 % medikamentös behandelt | 61 % |
| Malinowska & Rodzeń 2026 | Diagnose selbstberichtet | 18–56 | ja, teils medikamentös behandelt | k. A. |
| Oguchi et al. 2021 | Symptomskala (ASRS-Screening) | M 26,6 J. | nein | ~50 % |
| Nowacki 2025/2026 | formal oder selbstberichtet | Erwachsene | k. A. | k. A. |
| Müller, Mellor & Piko 2023 | Symptomskala (ASRS-basiert) | Studierende | k. A. | 67 % |
| Uygur & Bahar 2023 | Symptomskala (ASRS-Screening) | Studierende | k. A. | überwiegend Frauen |
| Müller & Pikó 2026 | überwiegend Symptomskala (3,6 % Diagnose) | 18–35 | k. A. | 70 % |
Keine der tragenden Studien untersucht eine deutsche Erwachsenen-Stichprobe mit gesicherter Diagnose und ohne Medikation. Die meisten Befunde stammen aus Studierendenstichproben. Wo Medikation berichtet wird, ist die Mehrheit medikamentös behandelt. Was für Erwachsene ohne Medikation in Deutschland gilt, ist eine begründete Übertragung, kein direkter Befund.
→ Alltags-TRANSFER
Der Hebel liegt beim erlebten Wert der Aufgabe und beim Anfangen, weniger bei Zeitmanagement. Die Gefühle müssen vorher nicht „in Ordnung“ sein. Ein strukturiertes, klinisches Gruppenprogramm zeigte in einer RCT eine Verbesserung der Verhaltensaktivierung (Strålin et al. 2025) — ein Hinweis darauf, dass Struktur beim Anfangen hilft, auch wenn NeuroPartners Coaching selbst noch nicht untersucht ist.
Video zum Artikel
Ist Prokrastination ein ADHS-Symptom?
Aufschieben steht in keinem Diagnosekriterium, hängt aber eng mit dem Kernsymptom Unaufmerksamkeit zusammen (r zwischen .42 und .51 über 11 Studien).
Ist Aufschieben bei ADHS einfach Faulheit?
Viele halten es dafür. Die Forschung zeigt einen messbaren Mechanismus: Aufgaben fühlen sich weniger wertvoll an, Warten auf Belohnung fällt schwerer.
Wie viele Erwachsene mit ADHS prokrastinieren?
Eine verlässliche Prozentzahl existiert nicht. Häufig zitierte „50 bis 70 Prozent“ gehen auf eine einzelne Münsteraner Erhebung zurück, ohne klinische Diagnosen.
Gibt es eine Metaanalyse zu ADHS und Prokrastination?
Nein. Das erste systematische Review (Suriano 2026) fasst 11 Studien zusammen, ohne Metaanalyse — die Studien sind methodisch zu unterschiedlich, um die Effekte statistisch zu poolen.
Warum prokrastiniere ich so extrem?
Bei ADHS hängt starkes Aufschieben am engsten mit Unaufmerksamkeit zusammen — der Schwierigkeit, Aufmerksamkeit auf ungeliebte Aufgaben zu lenken und dort zu halten, nicht mit fehlender Disziplin.
Kann Aufschieben auch nützlich sein?
Eine Studie unterscheidet aktives von passivem Aufschieben: Aktives Aufschieben (bewusst, unter Kontrolle) hängt schwächer mit ADHS-Symptomen zusammen als passives (Müller, Mellor & Piko 2023). Ob das im Alltag hilft, ist damit aber nicht direkt geprüft.
Quellen
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Evidenzbasiert
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