Serie
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ADHS abends essen: In 60 Sekunden erkennen, was dahintersteckt

Kernaussagen

  • Impulsives Essen wirkt chaotisch, folgt aber einem Muster: Vor dem Griff steht ein Zustand — Anspannung oder Leere.
  • Anspannung und Leere brauchen zwei verschiedene Werkzeuge — das falsche Werkzeug erklärt, warum bisher scheinbar „nichts funktioniert“ hat.
  • Wer Fortschritt in Richtung eines Ziels regelmäßig sichtbar macht, erreicht es messbar häufiger — über hundert Studien.
  • Der 60-Sekunden-Check: eine Zahl von eins bis zehn plus ein Wort, als Sprachmemo, drei Abende lang — nie Essen, Kalorien oder Mengen.

Transkript

Impulsives Essen hat ein Muster

Impulsives Essen fühlt sich chaotisch an. Ist es nicht. Es hat ein Muster — und du kannst es heute Abend sichtbar machen. In sechzig Sekunden, mit deinem Handy. Das Wichtigste vorweg: Hinter demselben Griff zum Essen stecken zwei verschiedene Zustände. Anspannung — oder Leere. Und die brauchen zwei verschiedene Werkzeuge. Deshalb hat bei dir bisher vielleicht nichts „funktioniert“: Es war das Werkzeug für den anderen Zustand.

Worum es in diesem Video geht

Ich bin Sabine, dein digitaler NeuroPartner. In Video eins haben wir die Erklärung getauscht: Regelkreis statt Charakterfrage. Wenn du neu hier bist — du brauchst nichts nachzuholen, heute geht es nur ums Hinschauen.

Warum vor dem Griff ein Signal kommt — und die zwei Zustände

Drei Dinge. Erstens: Warum vor dem Griff ein Signal kommt — und warum du es überhörst. Zweitens: die zwei Zustände. Drittens: der Sechzig-Sekunden-Check.

Erstens. Der Griff zum Essen passiert im Autopilot. Aber davor gibt es einen Zustand — Anspannung, Unruhe, Leere. Der ist leise, und mit ADHS geht Leises im Lauten unter. Aus der Forschung wissen wir: Wer den Fortschritt in Richtung eines Ziels regelmäßig sichtbar macht, erreicht es messbar häufiger. Über hundert Studien. Unser Ziel diese Woche ist klein: den Zustand VOR dem Griff sehen. Nicht das Essen. Nur den Zustand davor.

Zweitens. Viele Erwachsene mit ADHS beschreiben zwei verschiedene Abende. Abend eins: Der Tag steckt dir in den Schultern. Eng, geladen, zu viel. Abend zwei: nichts los. Flach, leer, unterversorgt — und die Hand geht zum Knuspern, weil irgendwas passieren muss. Gleicher Griff. Zwei Ursachen. Zwei Werkzeuge.

Drittens: Wir messen das. Eine Zahl, ein Wort, drei Abende. Mehr nicht. Und damit das klar ist: Wir beobachten nie Essen, Kalorien oder Mengen. Nur den Zustand davor. Und nur drei Abende — das ist eine Messung, keine neue Dauer-Pflicht.

Übung: der erste Check, jetzt

Jetzt kommt die Übung. Eine Minute, wir machen sie sofort. Du brauchst nur dein Handy — die Sprachmemo-App. Wenn du gerade nicht sprechen kannst, geht auch die Notizen-App.

Schritt eins. Frag dich: Wie geladen bin ich gerade — auf einer Skala von eins bis zehn? Eins ist tiefenentspannt, zehn ist kurz vorm Platzen. Nimm die erste Zahl, die kommt.

Schritt zwei. Ein Wort für den Zustand. Nur eins. Zum Beispiel: „eng“. „Leer“. „Flackernd“. „Müde“.

Schritt drei. Sprich beides als Memo an dich selbst. So kurz wie eine Uhrzeit: „Sieben. Eng.“ Fertig.

Diese Aufnahme gab es vor einer Minute noch nicht. Das ist dein erster Messpunkt — du hast gerade sichtbar gemacht, was sonst unsichtbar durchläuft. Wenn dir das zu schnell ging: Nur die Zahl, ohne Wort, zählt auch. Und wenn keine Zahl kommt — dann nimm: eher über oder unter fünf. Das reicht völlig.

So bleibt es im Alltag

Drei Abende, jeweils einmal. Damit dein Kopf sich das nicht merken muss, koppel es an etwas, das sowieso passiert: Wenn ich mich abends aufs Sofa setze, mache ich den Check. Dafür gibt es das Werkzeug-Video: sechzig Sekunden, ich führe dich durch — Zahl, Wort, fertig, mit beiden Ausgängen der Weiche.

Deine nächste Handlung: heute Abend, Sofa, ein Memo. Nach drei Abenden kennst du deine Richtung: eher hohe Zahlen — oder niedrige, und trotzdem der Griff. Deine Zahl entscheidet, welches Werkzeug deins ist. Beide kommen in dieser Serie. Vorher bauen wir in Video drei etwas, das für beide gilt: deinen Nachmittag. Du kannst jederzeit hierher zurückkommen.

Quellen

Harkin, B., et al. (2016). Does monitoring goal progress promote goal attainment? A meta-analysis. Psychological Bulletin, 142(2), 198–229. DOI 10.1037/bul0000025

Kaisari, P., Dourish, C. T., & Higgs, S. (2017). ADHD and disordered eating behaviour: a systematic review. Clinical Psychology Review, 53, 109–121. DOI 10.1016/j.cpr.2017.03.002